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Wilderei: Jagd für den „Buschfleischhandel“
Das Fleisch der Gorillas ist in West- und Zentralafrika begehrt. Rund 2.000 der großen Menschenaffen, so die vorsichtigen Schätzungen, fallen jedes Jahr Wilderern zum Opfer. Diese Jagd ist einer der Hauptgründe für die stark sinkende Zahl der Gorillas und ihre Eintragung in die Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten.
Mindestens 15 Prozent der auf den Fleischmärkten West- und Zentralafrikas angebotenen Wildtiere (engl. „Bushmeat“) sind Affen. Einige Quellen sprechen von rund einem Prozent Buschfleisch von Menschenaffen. Allerdings wird das Fleisch meist geräuchert angeboten, sodass sich die Arten kaum noch identifizieren lassen. Vermutlich liegt der Anteil an Gorillafleisch höher: Gorillas gehören zu den begehrtesten Zielen der afrikanischen Wilderer. Die Tiere versprechen eine maximale Fleischmenge pro Gewehrkugel, und sie können teurer verkauft werden. Einem Aberglauben nach überträgt sich nämlich die Stärke der riesigen Menschenaffen auf den, der ihr Fleisch verzehrt.
Meist töten die Wilderer die ganze Gorillafamilie. Die Jungen bleiben oft allein zurück oder werden als Haustiere verkauft. Pro Wildlife unterstützt ein Affenwaisenhaus in Kamerun, in dem diese Affenkinder geschützt und unter Artgenossen aufwachsen können.
Offiziell ist die Jagd auf Gorillas zwar verboten, in den entlegenen Waldregionen gehen die Wilderer jedoch kaum ein Risiko ein, entdeckt zu werden. Zudem gehörten Affen schon immer auf den Speiseplan der lokalen Bevölkerung. Der starke Bevölkerungszuwachs und eine zunehmende Kommerzialisierung haben jedoch katastrophale Folgen für die Menschenaffen. In Gabun, einem der Länder mit dem ehemals größten Gorillabestand, hat sich zwischen 1983 und 2000 die Zahl der Gorillas mehr als halbiert. Hauptursachen dafür sind die Wilderei und Ebola (s.u.).
Und der Jagddruck steigt immer weiter: Inzwischen werden die Tiere selbst in Schutzgebieten massiv verfolgt. Sie dienen nicht nur einigen Bevölkerungsgruppen als Nahrung, sondern auch Hunderttausenden Holzfällern und Minenarbeitern, die in den Ländern Zentralafrikas Bodenschätze und Wälder ausbeuten. In Kamerun und der Republik Kongo finanziert Pro Wildlife daher Anti-Wilderer-Einheiten, die durch Razzien, Beschlagnahmen und Verhaftungen konsequent gegen die Naturverbrecher vorgehen.
Vernichtung und Ausbeutung der Regenwälder
Ohne intakte Wälder haben Gorillas keine Überlebenschance. Die sanften Menschenaffen werden von den lauten und schweren Maschinen der Holzfäller aufgescheucht und vertrieben. Doch die Kettensägen westlicher Holzfirmen schlagen tiefe Schneisen in immer abgelegenere Waldgebiete.
Die größten noch intakten Regenwaldflächen liegen in der Demokratischen Republik Kongo (kurz Kongo genannt). Hier wurden 2008 bisher unbekannte Gorillapopulationen entdeckt. Die Zahl der Tiere wird auf 125.000 geschätzt – das erhöht die Zahl der bisher bekannten westlichen Flachlandgorillas um mehr als das Doppelte. Doch das riesige Land ist seit langem von Bürgerkriegen geschüttelt, die 2008 im Osten des Landes erneut eskalierten. 2004 sagte die Weltbank der Regierung des Kongo immense Finanzhilfen zu, wenn diese einen Großteil der unberührten Regenwälder für den Holzhandel öffnen würde. Für die Staatskasse des Kongo ein verheißungsvoller Ansatz – für die lokale Bevölkerung, die vom Regenwald abhängt, und für bedrohte Wildtiere wie die Gorillas aber eine Katastrophe. Die bisherigen Rückzugsgebiete werden von den Holzfällern erschlossen und vernichtet. Den Holzfällern folgen die Wilderer, die über die neuen Wege, die eigens zum Abtransport der Baumriesen angelegt wurden, in zuvor völlig unerreichbare Waldgebiete gelangen können (s. o. bushmeat). Pro Wildlife kämpft daher für ein EU-Importverbot für illegale Tropenhölzer und fordert strikte Herkunftskontrollen.
Eine zusätzliche Gefahr für die Gorillas stellt die Förderung von Rohstoffen wie Diamanten, dem Roherz Coltan oder Gold dar. Über zehntausend Minenarbeiter sind allein im Osten der Demokratischen Republik Kongo damit beschäftigt, Coltan abzubauen, um daraus Tantal zu gewinnen. Dies ist ein wichtiger Rohstoff zur Herstellung von Chips in Handys und Laptops – in Zentralafrika liegen wesentliche Anteile der Weltvorkommen. Zahllose weitere Tagelöhner bauen Gold und Diamanten ab. Da die Minenarbeiter keinerlei Lebensmittelversorgung haben, gehen sie selbst auf die Jagd oder heuern Wilderer an. Rohstoffförderung und Jagd auf Gorillas und andere Großtiere gehen hier also Hand in Hand.
Ebola – wie die Pest
Die Infektionskrankheit Ebola ist benannt nach dem gleichnamigen Fluss in der Republik Kongo. Dort trat das Virus 1976 zum ersten Mal in Erscheinung. Die für den Menschen in 50 bis 90 Prozent der Fälle tödlich verlaufende Krankheit – sie erzeugt ein Fieber, das mit starken Blutungen einhergeht – wütet auch unter den Menschenaffen. Träger des Virus ist vermutlich eine Fledermaus, doch scheint die Krankheit auch von Schimpansen und Gorillas auf den Menschen übertragen zu werden – durch direkten Kontakt oder den Verzehr von Affenfleisch.
2002 und 2003 dezimierte Ebola in zwei Infektionswellen die Gorillabestände im Lossi-Schutzgebiet in der Republik Kongo um 93 Prozent, von ehemals 238 auf nunmehr 17 Tiere. Auch in Gabun starben zahlreiche Gorillas bei Ebola-Ausbrüchen in den 1990er Jahren und 2001 bis 2003. Über 5.000 Gorillas sind in beiden Ländern in dieser Zeit vermutlich an Ebola gestorben. Damit ist der Virus neben der Wilderei zur größten Bedrohung für die Menschenaffen geworden. Wissenschaftler forschen derzeit zwar nach Impfstoffen, an einen Einsatz zum Schutz freilebender Gorillas ist jedoch noch nicht zu denken. Die Epidemie bietet den Menschenaffen aber auch eine Chance: Aus Angst vor einer Ansteckung könnte die Nachfrage nach Gorilla- und Schimpansenfleisch zurückgehen.
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