Jahr des Gorillas 2009

 

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Seit 1999 unterstützt Pro Wildlife das Affenwaisenhaus in Limbe, Kamerun. Bis heute konnten über 120.000 Euro an direkten Finanzhilfen und außerdem zahlreiche Sachspenden bereitgestellt werden, zum Beispiel Computer, Medikamente sowie Mikroskop- und Laborzubehör, aber auch Regenkleidung, Taschenlampen und andere Dinge, die den Mitarbeitern des Affenwaisenhauses ihren Alltag erleichtern. Das Geld hierfür stammt von symbolischen Affenpatenschaften und Spenden. Derzeit beherbergt das „Limbe Wildlife Centre“ 15 Gorillas mit sehr unterschiedlichen Charakteren und Vorgeschichten. Lernen Sie einige davon näher kennen:

Bolo (geb. 2007, weiblich)

Im Dezember 2007 wurde Bolo in einem Dorf in Ostkamerun bei einem Jäger beschlagnahmt, der das winzige Gorilla-Baby verkaufen wollte. Bolos Schicksal ist typisch für die meisten Schützlinge des Affenwaisenhauses in Limbe: Insbesondere große Tiere wie Gorillas sind bei den Wilderern besonders begehrt, denn mit nur einer Gewehrkugel werden riesige Fleischmengen erbeutet. Die erwachsenen Tiere einer Gruppe fallen der Jagd für den Fleischmarkt („bushmeat“) zum Opfer. Der zu magere Nachwuchs wird entweder hilflos zurückgelassen oder als „lebendes Spielzeug“ verkauft.

Bolo war bei ihrer Ankunft im Affenwaisenhaus etwa sieben Monate alt und wog nur fünf Kilogramm. Gorillakinder sind äußerst sensibel. Viele Gorillawaisen verlieren nach dem Massaker an ihrer Familie ihren Lebenswillen: Sie wollen nichts mehr essen, werden apathisch, sterben. Auch Bolo war bei ihrer Rettung traumatisiert und musste in den ersten Wochen von einer Tierpflegerin rund um die Uhr betreut werden. Pro Wildlife finanziert nicht nur die großen Mengen Milchpulver für Bolo, sondern auch ihre medizinische Betreuung, die gerade in den ersten Monaten teuer war. Nachdem sie die erste kritische Zeit überstanden hatte, wurde sie behutsam in die Gorilla-Gruppe eingeführt. Eines der jungen Gorillaweibchen, Abby, adoptierte Bolo binnen kürzester Zeit und übernahm die Mutterrolle. Bolo ist das Nesthäkchen der 15-köpfigen Gorillagruppe und genießt das Leben in ihrer Ersatzfamilie.

 

Chella (geb. ca. 1994, männlich)

Chella wurde im Januar 1996 auf der Rückbank eines Kleintransporters in Bertoua im Osten Kameruns gefunden - neben ihm lag seine tote Mutter, gewildert für den “Buschfleischmarkt”. Wildhüter beschlagnahmten den Kleinen und behielten ihn drei Wochen bei sich, waren jedoch mit der Pflege eines Gorillababys hoffnungslos überfordert. In entsprechend schlechter Verfassung war Chella, als sie ihn zum Limbe Wildlife Centre brachten. Als Chella dort ankam, war er völlig entkräftet, ausgetrocknet und unterernährt.

Kaum zu glauben, was aus diesem hilflosen Bündel für ein stattlicher Kerl wurde: Heute ist Chella mit seinen 140 kg als Silberrücken der Chef der Gorilla-Gruppe in Limbe. Seine imposante Erscheinung und sein Kraftgebahren haben ihm den Beinamen “Rambo” eingebracht. Obwohl Chella nie beobachten konnte, wie sich ein wilder Gorillamann verhält, weiß er instinktiv, wie er seine Gruppenmitglieder beschützen und übermütige Artgenossen zurechtweisen muss.

 

Abby (geb. circa 2000, weiblich)

Abby ist eine von vier Gorillababys, die 2002 im Zoo Taiping (Malaysia) auftauchten - angebliche Nachzuchten des Zoos Ibadan in Nigeria. Kurz zuvor tauchte auf dem Schwarzmarkt die Preisliste eines Tierhändlers auf, der vier Gorillababys für 1,6 Millionen US-Dollar anbot. Recherchen der International Primate Protection League (IPPL) ergaben, dass der Zoo Ibadan nur ein einsames, altes Gorillaweibchen besaß - eine Zucht von Gorilla-Nachwuchs konnte hier also nicht stattgefunden haben.  Auf der Artenschutzkonferenz im November 2002 brachten IPPL und Pro Wildlife den Fall ins Rollen: Kamerun, als wahrscheinliches Ursprungsland der vier Gorillakinder, forderte von Malaysia Aufklärung und eine genetische Untersuchung der Tiere, um die Herkunft zweifelsfrei zu klären. Malaysia lehnte ab, verzögerte und führte schließlich doch DNA-Tests durch. Auf Druck des Weltdachverbandes der Zoos (WAZA) gab Malaysia die Tiere im April 2004 jedoch statt nach Kamerun nach Südafrika in den Zoo von Pretoria. Erst nach jahrelangem Tauziehen gelangten die vier im Dezember 2007 wieder in ihre Heimat Kamerun. Die jahrelange Odyssee blieb nicht ohne Folgen: Einer der vier Gorillas, Oyin, überlebte die Strapazen nicht und starb im Frühjahr 2008 an den Folgen einer Immunschwäche. Abby, Izan und Tinu dagegen haben in Limbe ein grozügiges Freigehege und eine verantwortungsvolle Aufgabe bekommen: Das kleine Gorilla-Mädchen Bolo (siehe oben) ist seit Frühjahr 2008 zum Mittelpunkt der kleinen Gruppe geworden. Abby, trotz ihres jungen Alters von acht Jahren, hat energisch die Mutterrolle übernommen und beschützt und umsorgt Bolo - so als hätte sie nie etwas anderes getan.

 

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Gorillamädchen Bolo

 

 

 

 

Chella - ein fast ausgewachsener Silberrücken

 

 

 

Abby: mit nur acht Jahren bereits eine fürsorgliche “Mutter”

 

 

 

 

Fotos: Limbe Wildlife Centre,
Pro Wildlife