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PRESSEINFORMATION
“Es bleibt noch so viel zu tun!”
Interview mit Senta Berger zum Abschluss des “Jahr des Gorillas”
Die Vereinten Nationen haben 2009 zum Jahr des Gorillas erklärt. Die Schauspielerin Senta Berger ist Gorilla-Botschafterin für die Artenschutzorganisation Pro Wildlife. Zum Abschluss dieses besonderen Jahres zieht sie Bilanz.
Frau Berger, das Jahr des Gorillas geht zu Ende. Was hat es gebracht?
Senta Berger: Wir dürfen nicht erwarten, dass ein Jahr des Gorillas die bedrohten Tiere retten kann. Es gibt noch so viel zu tun! Zwar haben Experten im Juni auf einer Gorilla-Konferenz die „Frankfurter Deklaration“ zum Schutz der Gorillas verabschiedet. Sie fordert Schutzmaßnahmen von Regierungen in Afrika, aber auch von den Industrienationen. Aber die Forderungen sind nicht verbindlich. Und die afrikanischen Länder brauchen die Hilfe der Industrienationen, damit sie ihre Wälder und die Gorillas langfristig erhalten und gegen Wilderei und Tierschmuggel ankämpfen können.
Wir konnten aber erreichen, dass immer mehr Menschen begreifen: Wenn es in zehn Jahren noch Gorillas in freier Wildbahn geben soll, muss ich etwas dafür tun. Viele haben verstanden, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen unserem Konsumverhalten hier und dem Überleben der Gorillas. Zum Beispiel Coltan: Das seltene Erz steckt in jedem Handy. Abgebaut wird es unter anderem in den Wäldern der Demokratischen Republik Kongo – einem der letzten Rückzugsgebiete der Östlichen Gorillas. Wer also sein altes Handy recycelt, schützt damit Gorillas. Die Handysammelaktion von Pro Wildlife war ein voller Erfolg: Tausende Menschen haben alte Handys eingesammelt: in Schulen, Firmen, Vereinen und im Freundeskreis. Der Erlös geht direkt in den Gorillaschutz.
Aber es muss uns allen klar sein: Bewusster Konsum allein reicht nicht aus. Für die Gorillas müssen wir aktiv handeln. Besonders wichtig ist es, in Zentralafrika, der Heimat der Gorillas, die Ursachen für das Aussterben der Gorillas anzugehen. Wir müssen den Tieren ihren Lebensraum erhalten. Das geht nicht in einem Jahr – das ist ein Auftrag für uns und kommende Generationen. Wir müssen jetzt den Anfang machen: Weiterhin die Wilderei bekämpfen und die Bevölkerung in Zentralafrika aufklären, warum man Gorillas nicht essen darf – und den Leuten vor Ort Anreize bieten, Gorillas zu schützen. Hier konnten wir mit Pro Wildlife zukunftsweisende Projekte anstoßen. Zum Beispiel eine Imkereischulung in einem Gorillaschutzgebiet in Kamerun. Das Ziel: die Menschen sollen lernen, umweltschonend Honig zu gewinnen, damit sie nicht den Lebensraum der Gorillas plündern. Diese Ausbildung schafft den Einheimischen eine Existenzgrundlage. Wir brauchen noch viel mehr solche Projekte! Und da konnte das „Jahr des Gorillas“ sicher seinen Beitrag leisten, um solche Initiativen anzustoßen.
Und was mir besonders am Herzen liegt: Den Kindern nahezubringen, dass es wichtig ist, die Natur zu schützen. In Kamerun wird die Informationsarbeit zum Gorillaschutz systematisch ausgebaut. Aber auch in Deutschland haben sich anlässlich des „Jahrs des Gorillas“ viele Schulkinder intensiv mit dem Thema beschäftigt.
Was hat Sie am meisten berührt?
Senta Berger: Gorillas sind uns so ähnlich. In das Affenwaisenhaus in Kamerun wurde ein Gorillababy gebracht. Nachdem es von einer Pflegerin aufgepäppelt wurde, kam es in die Gorillagruppe – und wurde von diesen verwaisten Tieren, die selbst kein Familienleben erleben durften, so liebevoll aufgenommen, geradezu adoptiert. Wie zart und vorsichtig die riesigen Gorillas mit diesem winzigen Baby umgehen, das hat mich tief bewegt.
Was können deutsche Politiker für Gorillas tun?
Senta Berger: Wir brauchen dringend ein Gesetz, das den Handel mit illegal geschlagenem Tropenholz verbietet. Es ist nicht zu fassen, dass Holz aus Raubbau noch immer legal in deutschen Baumärkten verkauft wird. Das ist ein Skandal, und die die deutschen Politiker sollten endlich auf ein EU-weites Importverbot für illegales Tropenholz drängen.
Was empfehlen Sie Menschen, die sich für Gorillas einsetzen wollen?
Senta Berger: Zum einen rate ich jedem, das eigene Konsumverhalten kritisch zu überdenken. Das kann zum Beispiel bedeuten, auf Möbel und Terrassen aus Tropenholz zu verzichten, damit die Menschenaffen nicht ihren Lebensraum verlieren. Besonders wichtig ist es, Menschen zu unterstützen, die für strengere Schutzgesetze kämpfen, die in Zentralafrika die Wilderei bekämpfen, Tierschmuggler vor Gericht bringen und die Bevölkerung davon überzeugen, dass Gorillas Schutz brauchen. Ich lege jedem ans Herz, wie ich Affenpate bei Pro Wildlife zu werden – damit tut man schon einen ersten Schritt.
Das Interview führte Annette Sperrfechter Fotos: Edith von Welser-Ude, LWC
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